Theater: Biedermann und die Brandstifter

Samstag, 25.02.2017
19.30 Uhr

Königsallee 15, 44789 Bochum / Tel.: +49 (0) 23 4 / 3333-0
Foto: Thomas Aurin

von Max Frisch
Regie: Hasko Weber

Herr Biedermann ist so wohlsituiert und gutbürgerlich wie sein Name, aber naiv ist er nicht. Als Haarwasserfabrikant weiß er seine Interessen durchzusetzen, notfalls auch brutal gegen Konkurrenten. Warum also lädt er sich die Brandstifter ins Haus, obwohl er als eifriger Zeitungsleser die Brandlegungen der jüngsten Zeit in seiner Stadt verfolgt? Blindheit kann es nicht sein, denn der Hausierer Schmitz und sein Kompagnon Eisenring sagen von vornherein offen, was sie vorhaben. Fass für Fass verfolgt Biedermann das Anwachsen des Brennstoffarsenals auf seinem Dachboden, doch die Mahnungen seiner Frau und des ‚Chores‘, mit dem Max Frisch die reflektierende Instanz der antiken Tragödie zitiert, schlägt er hochmütig in den Wind. Und erhält die Quittung dafür.

Max Frischs „Lehrstück ohne Lehre“ von 1953, zu dem er 1958 ein Nachspiel in der Hölle schrieb, hat den Vorzug vielfacher Deutbarkeit. Dass wir, denen es (noch) gut geht, Fremde, die das Potential haben, unseren Status zu zerstören, in unserem ‚Hause‘ nicht nur tolerieren, sondern zum Bleiben einladen, kann politisch von Links bis Rechts gelesen werden. Es kommt immer darauf an, für wen die Fremden oder Brandstifter stehen, wie legitim ihre Ziele erscheinen, wie berechtigt unser Wohlstand, als was man die drohende Katastrophe definiert und ob sie vermeidbar erscheint.

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